"... Seht, das Ende naht, die
Letzten ihrer Art, die letzten
Von Format, sagen Gute Nacht ....
Es ist vollbracht..."


Stephan: "Onkelz , die Band .... die Fans .... alles eine Familie"

Mit Sombrero auf und ohne Doc Martens an, so ging die Reise für mich am Donnerstag, dem 16. Juni um 04:16 Uhr morgens los.
Eine Tour, die ich nicht so bald vergessen sollte. Eine Tour zu einer Band, die mein junges Leben in Richtung Musik umgekrempelt hatte. Dazu könnte man jetzt genug Phrasen dreschen ... die Texte, der Rock, warum ... wie?, was?, wo?. Nein!, diese Band ist schon mehr als das .... eine Lebenseinstellung .... die auch ca. 250.000 Menschen in Deutschland haben. Und mehr als die Hälfte davon erwarteten die Onkelz auf dem Lausitzring, wo das Abschieds-Konzert der Böhsen Onkelz stattfand.

Wir waren zu fünft (Dustin+Freundin Jazzy, Laule, Hoffi und ich) und wollten so früh wie möglich losfahren. Da aber Dustin etwas ungeplant ne Stunde weiter pennen wollte, und ich sowieso wegen dem Länderspiel, dass in Frankfurt war, auch viel zu spät zu Hause war, fuhren wir ca. 3 Stunden später als geplant los. Einen niedlichen Wohnwagen hatten wir von Jazzy's Eltern bekommen, in dem wir 5 seeeeehr viel Platz hatten...in etwa.
Da ich die Nacht ja durchgemacht und schon eine 3 ½ stündige Autofahrt hinter mir hatte, kam mir ein schöööner und gemütlicher Wohnwagen sehr entgegen. Nuuur, waren auch sehr sehr ... aber auch sehr viele Sachen drin, wie z.B. die beiden großen Bierfässer, die den Wohnwagen so was von ausfüllten, dass man nicht mal mehr den Boden sehen konnte. Hmm, also wohin nun mit den Fässern? Natürlichste und einfachste Variante: Einfach auf die Fässer drauf. Und bei einer 10-stündigen Fahrt Richtung Osten konnte so was schon eeeecht bequem werden :o/. Aber na ja, muss man verstehen. Die anderen hatten halt Durst.
Die Fahrt war mehr als lustig. Die Lieblingsbeschäftigung vom Boris war, immer wieder die schlafenden Leute zu wecken und sie mit einer Fliegen-Klatsche zu hauen (Ich wusste gar nicht, dass man sich schon während der Fahrt an dem Bierfass vergreifen konnte *g*).
Aus irgendeinem Grund musste Dustin, der unser Fahrer war, auf der Hinfahrt ca. 10-12 mal halten ... ungelogen 10-12 mal!
Schön war natürlich, die ganzen Leute auf den Raststätten zu treffen die auch alle zum Konzert wollten. Da konnte man mal sehen, wer alles so Onkelz-Fan war. Da gab es echt jede Art von Mensch *g*.
Und das sah man auch auf den Lausitzring als wir um ca. 15 Uhr dort ankamen.
Das Gelände konnte man kaum in Worte fassen ... so groß war es. Zich Parkplätze ... ca. 110.000 Menschen mit ihren Autos, Wohnmobilen, Zelten usw.
Da es schon sehr spät war, war es für uns auch nicht leicht, einen super Parkplatz zu finden, und wir kurvten da so ungefähr noch eine Stunde rum, bis wir endlich ne Stelle hatten. Und die war mehr als super, ... dachten wir. Denn das kleine grüne Feld neben dem Parkplatz hatte ein Verbot für jedes Zelt. Aber um 2 Uhr Nachts hat das keinen Security mehr gestört und jeder schlug dann sein Zelt auf.
Auch unsere Nachbarn .... die beiden Frankfurter Dirk und Christian ..., und die Thüringer Frank und Steffen. Alle 4 mehr als Onkelz-Bekloppte und sie fühlten sich sofort bei uns wohl, als sie die beiden Bier-Fässer und unsere schöne Zapfanlage sahen. Als es so langsam dunkel wurde, wollte Dustin mit seiner Freundin schon früh im Wohnwagen schlafen gehen, was uns eigentlich auch egal war .... aber daaann ....
Beide hatten die Fenster mit Tüchern bedeckt .... merkten aber nicht, dass die Zeltplatzlampe von hinten rein schien und somit begannen die seeehr interessanten Schattenspielchen.
Sogar unsere beiden Frankfurter nahmen ihre Campingstühle und setzten sich zu uns und guckten sich die schöööne Vorstellung an *g*. Ich glaube am nächsten Tag hätten wir dafür Eintritt genommen :oP

Freitag, 17. Juni. Der Anfang vom Ende.
Wegen dieser SCHEISS-Sonne wurden wir schon 8 Uhr wach, konnten aber rechtzeitig duschen gehen, bevor die ganzen Schnapsleichen wach wurden. Als ich da so lang ging, taten mir manche schon voll leid (weil sie wohl das erste Konzert nicht sehen würden).
Gefrühstückt wurde mit Bier (ausser ich) .... und gegessen wurde meist Grillfleisch. Super an diesem Tag war, dass die Sonne morgens schon verschwand und der Himmel mit Wolken bedeckt war. Für das, was man vorhatte, konnte man auch echt keine Sonne gebrauchen.
Es gab schon sehr viele Leute, die sich um 10 Uhr an das Tor stellten, um um 13 Uhr beim Einlass sofort zur Bühne zu rennen. Absoluter Hammer, vor allem weil die Sonne einem die ganze Zeit auf den Kopf scheinen könnte.
Aber wir machten das nicht und blödelten auf unserem Campingplatz rum. Boris fand ein neues Hobby und spritzte vor allem mich mit seinem Bier ständig voll .... (Mann, hat das geklebt *kotz*). Laule sah sich das am liebsten vom Dach des Wohnwagens an, was während des ganzen WE's sein Lieblingsplatz wurde.
Aus jedem Auto hörte man die Musik der Onkelz, und überall merkte man schon das Adrenalin ... das Konzert, was immer näher rückte. Und um ca. 17 Uhr machten wir uns auf dem Weg zum Geschehen.
Ich glaube wir hatten echt ein "dolles Los" mit unserem Campingplatz getroffen. Die Bühne war zwar in der Nähe, nur konnte man da nicht durchlaufen. Wir mussten den gaaaaanzen Bogen vom Lausitzring laufen, was ungefähr 4 Kilometer waren.
Etwas positives hatte es ja: Die ganzen Besoffenen kamen dann nüchtern wieder an.
Vorbands wie Sub7even, D:A:D oder Wunderfools (*kotz*) hatten wir nun verpasst, aber um 21 Uhr kam "Motörhead". War schon super, den Lemmy mal live zu sehen. Wie immer hat er das ganze Haus gerockt.
Pech, dass man das von "Machine Head" nicht behaupten kann, die direkt danach kamen. Es gibt so viele Musikrichtungen ... aber das war keine. Die haben ein Durcheinander gespielt, ich glaube, wenn ich auf der Bühne gewesen wäre und einfach drauf los gespielt hätte, hätte es wohl keiner mitbekommen, dass ich nicht zur Band gehörte. Soooo schlecht waren die. Das einzige, was die auch nur von sich geben konnten war "FUCK".
Aber danach kam die Ruhe vor dem Sturm. Bei Motörhead hatten wir uns auch irgendwie aus den Augen verloren, weil da schon wie wild gepogt wurde. Aber Boris und Laule standen noch da, leider landeten wir etwas weiter hinten. Bevor es aber so richtig losging, wurden wir Fans wie immer mit einer T*****-Show abgelenkt *g*.

Ca. 23:15 Uhr .... es war soweit .... alle waren mehr als gespannt und es wurde immer lauter.
Intro .... Licht .... Onkelz ... 4 Onkelz die auf die Bühne kamen .... Gitarren-Sound überall und alle gingen jetzt ab.
Da waren sie!
Sie sahen uns Fans und das erste Lied war "10 Jahre"..... noch mal, "110.000 Menschen !!!!!"die nur eine Band hören und sehen wollten. Man sah nur noch Arme, Schuhe in der Luft, Köpfe die hin und her gingen .... Wahnsinn !!!!
Stephan war hin und weg, als er befohlen hatte die Lichter auszuschalten, damit er sich diese Massen angucken kann ... und er wurde sofort sprachlos. Uns Fans aber ging es anders *g*. Jetzt wurde nur noch gesungen, gebrüllt, getanzt und gepogt.
Laule hat sogar in der Menge einen Sombrero gefangen und ließ diesen nicht mehr los. Aber dann kam "Mexico" und er gab mir das Ding. Er wusste selber nicht genau warum, aber bei der "Stelle zum tanzen" musste er sich einfach in die Menge werfen *g*. Natürlich kam er mit ein paar blauen Flecken wieder raus :oP
Zurselben Zeit wachte Boris im Sanitäts-Zelt auf und sah das Ende vom Konzert am Rande. Tja, ist halt ein schwerer Fehler, wenn man bei so einem Konzert zu wenig trinkt. Irgendwann macht der Körper das nicht mehr mit. Kevin würde sagen: "Ist alles Rock'n Roll".
Das Schöne an einem 2-tägigen Konzert ist, dass man es am 1. Tag mit dem Lied "Erinnerung" beenden konnte.
Man sah Feuerzeuge, klatschende Leute und sogar ein paar Tränen bei manchen, obwohl es dazu noch keinen richtigen Grund gab.
Obwohl die Onkelz später anfingen und früher aufhörten war es ein absolut Brettstarkes Konzert gewesen.
Ich fragte mich nur, wie es ist ganz vorne an der Bühne zu stehen. Die Jungs das letzte Mal gaaaanz nah zu sehen. Die Leute, die es bis jetzt konnten und gemacht haben, stellen sich schon vor Einlass da stundenlang hin. In die absolute Hitze .... wer macht so was und wer hält das alles aus?

Aber ich versuchte es auch .... immer diesen Gedanken. Nur die Hitze ... diese verdammte Hitze. So lange in der Sonne zu stehen??? Diese Frage stellte ich mir ständig.

Am nächsten Tag stand ich um 10 Uhr auf. Hallo Sonne, vermisst hatte ich Dich echt nicht.
18 Juni. Der LETZTE Tag der Böhsen Onkelz *schnief*.

Auch die Gedanken .... wirklich das letzte mal. Dann erst mal duschen gehen .... was essen .... bis 12 Uhr im Campingstuhl sitzen und dann .... und dann ....
.... war ich erstmal nur dankbar. Und zwar, dass es mir die anderen von unserer Truppe nicht übelnahmen, dass ich doch aufstand und mich auf dem Weg zum Tor 8 machte.
Wieder mal die 4 Kilometer (was aber in der Situation völlig egal war). Um 13 Uhr gingen die Tore auf und einige rannten schon los. Ich dachte mir, dass die eh nicht ankommen werden, wenn man jetzt vor hat, 4 Kilometer da lang zu rennen und ich sollte rechtbehalten. Nach 2 ½ Kilometer holte ich sie mit einem gemütlichen Spaziergang wieder ein.
Dennoch dachte ich mir, dass ich es ohne was zu trinken bis 23 Uhr eh nicht aushalten werde .... also ging ich zunächst an den Bierstand und wollte wie so üblich mir meine Cola bestellen. Leider musste irgendein Knallidiot dort rückwärts frühstücken und bei dem Glück das ich hatte, durfte ich daran teil haben.
Ein Riiiiiiiiesengelände .... und ich übersehe das und latsche da rein. Die am Bierstand warnten einen nicht mal vor, sondern schauten sich das belustigend an (die hatten da wohl schon Wetten abgeschlossen *g*).

Aber naja ... weiter ging es Richtung Bühne. Dort saßen schon viele Leute, was mich aber nicht daran gehindert hat, mich ganz bis zum Zaun zu schmuggeln.
Es war schon ein super Anblick, dieses Riesen Ding vor einem zu haben. Und man dachte schon an die Lichtershow und an die 4 Götter, die bald in ... naja sagen wir ca. 10 Stunden ... da oben auftreten werden. Schön war es jedenfalls, dass die Sonne schon längst hinter dem Dach von der Bühne verschwunden war (jedenfalls für die ersten 10 Reihen). Es war zwar mehr als heiss, aber die Security-Leute hatten voll Spass dran, uns alle abzuspritzen (Ähm ... mit Wasser natürlich).
Dennoch war es wie in der Schule. 10 Stunden können so richtig schön laaaaaang sein. Vor allem, wenn man auch Vorbands dabei hat, die einfach nur nerven . Nur, umso näher die Onkelz-Zeit kam, umso näher kamen auch die Leute. Es wurde immer mehr ungewolltes Gruppenkuscheln von hinten. Dann hat man ja auch noch so ein paar kaputte Leute, die bei Vorbands mehr abgehen als bei den Onkelz selber. Aber jeder sollte seinen Spaß haben.

Den meisten Spaß hatten man mit J.B.O., die den ganz lieben langen Tag nichts anderes machten als Lieder zu covern und gleichzeitig zu verkackeiern *g*. Von mir aus hätten die bis zu den Onkelz durchspielen können. Sind auch jedenfalls tausendmal besser gewesen als "Children of Bodom" (die meiner Meinung nach an "Machine Head" ran kamen).
Das schönste waren die Leute mit ihren Armen voller Sonnenbrand, die eine Hitze mit in die Menge vor der Bühne brachten. Aber die Gesichter .... die abgespannten Gesichter und das Warten auf die Böhsen Onkelz, die hier das letzte Mal spielen sollten.

Und es war endlich soweit .... Licht ... ein ganz bestimmtes Licht, dass immer schwächer wurde und 4 Leute ganz langsam die Bühne betraten. Und bevor Onkelz-Chef Stephan richtig vor seinem Mikro stand, konnte man ihm vom Gesicht ablesen, dass er einfach nur von der Menschen-Masse überwältigt war .... es ging endlich los .... das Lied "Hier sind die Onkelz" .... und ab ging es.
Egal was ich für einen Pogo bis jetzt mit erlebt hatte .... ob im Fussball-Stadion oder auf anderen Konzerten. Es war alles nichts .... NICHTS gegen das, was dann dort anfing.
Man flog nur noch hin und her. Dann wurden man plötzlich wieder eingequetscht. Leute wurden in Massen rausgezogen. Viele wurden hoch genommen zum "stage diving" und auf einmal waren meinen Füße in der Luft und ich hing mit dem Kopf nach unten. Die ganze Zeit war man total eingequetscht. Nur wenn man mal Hals über Kopf in der Luft hängt, kommt auf einmal ne Lücke und man rast wie ne Rakete nach unten und knallt mit dem Kopf auf.
Aber Onkelz-Fans helfen sich gegenseitig sofort und ziehen einen hoch. Auch ein Teil dieser Familie von der Stephan gesprochen hat.
Tja, und dann kamen 2 Security und zogen mich aus der Menge raus, in der ich bestimmt keine weitere Minute hätte bleiben können. Vorteil daran ist ... MAN STEHT DIREKT VOR KEVIN .... da wollte ich nicht mehr weg, aber leider waren die Ordner 2-Meter-Gorillas und schickten einen zur Seite .... denkt man
.... denn da wo man hingeleitet wurde, wurde die Bühne immer kleiner .... und immer kleiner ... und immer kleiner. Dafür aber sicherer *gähn*.
Damit stand ich wieder auf der gleichen Entfernung wie am Tag davor.
Viele würden mich jetzt für bekloppt halten, aber den Onkelz bei so einer Menschen-Masse mal so nah zu sein (auch wenn es nur ein halbes Lied war) ... ja .... das waren für mich die über 10 Stunden da in der Hitze zu stehen ECHT WERT.
Die Reihenfolge der Lieder war auch sehr gut ausgewählt. Stephan ging auch immer noch auf den verstorbenen Freund Trimmy ein. Ansonsten auch super Lieder zum Feiern. Ich weiss nicht, was ich mir für einen Platz ausgesucht hatte, aber bei mir musste ausgerechnet einer vor meinen Füßen liegen und schlafen (scheiss Alkis *g*).

Und dann kam die Rede vom Herrn Weidner vor dem letzten Lied.
War schon etwas gemein von ihm, wie er redete. Manche konnten sich kaum noch halten vor lauter heulen.
Da dachten wir Fans, dass wir die Onkelz jetzt auch fertig machen und alle auf die Knie gingen. EIN WAHNSINNS BILD und alle brüllten "Wir danken euch"!!!!!!!!!! Danke für 25 Jahre... Lieder, die einem so was von weiter helfen, die einem zum Party machen bringen, die einem immer aufrecht halten und die man nie vergessen kann !!!!
Stephan konnte dann seine Tränen auch nicht mehr lange zurück halten und er sagte nur noch: "Ihr hättet es wissen müssen". Und dann kam dieses letzte Lied.
Die Leute um mich rum weinten ohne Ende und ich konnte auch nicht mehr tun, als da mit zu machen. Ein Moment, den man einfach nicht vergessen kann .... Vor allem nicht der, als der Stephan zu uns sagte: "IHR SEID DIE GEILSTEN."

Als ich dann zum Campingplatz zurück, ging traf ich noch den Boris. Diesmal hatten wir Glück, denn die Massen der Onkelz-Fans hatten die Zäune umgerissen und man hatte eine heeerrliche Abkürzung über den ganzen Eurospeedway. Das ersparte uns wenigstens eine halbe Stunde Fußmarsch.
Als wir alle zusammen wieder am Wohnwagen waren, waren wir alle noch überwältigt von dem Konzert ,... aber dennoch traurig. So richtig wollte das keinem in den Kopf gehen, dass die Onkelz aufhören.
Die Worte von Gonzo waren: "Wir sind immer noch da. Ihr seit immer noch da. Unsere Lieder sind immer noch da. Und das sollte man mit in die Zukunft nehmen."
Sicher, ja, .... es ist niemand gestorben,
aber Stephan sagte selber mal, dass die Fans der Onkelz da nicht nur eine Band sehen, ....
dort nicht nur Musik hören.....

aber genau das alles sagt jetzt: